Digital Spy Interview mit Steven Moffat


Übersetzung des Digital Spy Artikels Steven Moffat on ‚Doctor Who‘, ‚Sherlock‘ and his BAFTA Special Award vom 19. Mai 2012

Steven Moffat über ‚Doctor Who‘, ‚Sherlock‘ und seinen Sonder-BAFTA

Steven Moffat scheint auf einer Welle des Erfolgs zu Reiten – er erfand Doctor Who neu, zur Freude der Fans und der Kritiker, seine in Zusammenarbeit mit Mark Gatiss kreierte Serie Sherlock heimst sowohl Kritikerlob als auch enorme Zuschauerzahlen ein und nun erhält er den diesjährigen Sonder-BAFTA für seinen herausragenden Beitrag zum britischen Fernsehen im Bereich des Kreativen Schreibens.

Digital Spy traf Moffat am Abend der Bekanntgabe, um mit ihm seine Auszeichnung, seine beiden Erfolgsserien und seine Zukunftspläne zu besprechen.

Wie fühlt es sich an diesen Sonder-BAFTA zu gewinnen?

Nun, ich weiß nicht, es ist fast ein wenig als ob man sein eigenes Mausoleum gezeigt bekäme! Nein, es ist toll, es ist natürlich wirklich aufregend. Ich denke, es wehrt die Unsicherheit für weitere 10 bis 15 Minuten pro Tag ab. Es ist fantastisch, absolut genial.

Sie hatten eine abwechslungsreiche Karriere – haben Sie eine andere Herangehensweise wenn Sie etwas wie Doctor Who schreiben, als bei Coupling oder Jogging Apart?

Es sieht vielleicht danach aus, aber ich glaube, kein Schreiber handhabt das so. Ich denke, man schreibt es einfach mit den gleichen Ängsten – man will es interessant gestalten, es soll komisch sein und voller Ereignisse … Ich glaube nicht, dass es eine andere Art zu schreiben gibt. Bleib einfach interessant, halte die Leute davon ab umzuschalten…
Beim Schreiben einer Komödie machen Sie dieses hauptsächlich mit mehr oder weniger Witzen. Wenn Sie einen Fernsehfilm schreiben, verfügen Sie über eine größere Palette. Sie haben eine breitere Auswahl an Dingen, die Sie verwenden können – es können aufregende Momente sein oder überraschende Wendungen. Aber wirklich und wahrhaftig, das was Sie eigentlich machen, ist an jemanden zu denken, der nach der Fernbedienung greift und zu versuchen ihn davon abzuhalten!

Ist Staffel 3 von Sherlock nun in der Planungsphase?

Nun, wir hatten einige Meetings deswegen. Es wird auf jeden Fall stattfinden und wir wissen wann wir mit den Dreharbeiten beginnen – wir filmen im Januar. Offensichtlich habe ich noch jede Menge Arbeit zwischen jetzt und Januar!
Also, ja, es findet alles statt und wir hatten die ersten Besprechungen. Ich glaube, es wurde noch kein Wort auf Papier gesetzt, aber fast.

Haben Sie bereits entschieden welche Geschichten von Conan Doyle Sie dieses Mal adaptieren werden?

Ja – womit ich allerdings nicht sagen will, dass sich nichts ändern wird, während wir daran arbeiten, denn das passiert meistens. Aber ganz allgemein gesprochen, ja wir haben unseren Erzählungsbogen und wir wissen was wir behandeln wollen. Das Schreiben hängt zu einem gewissen Grad von Spontanität ab, also gibt man sich einen Rahmen der groß genug für Improvisationen ist.

Vermutlich wird die erste Folge »Das Leere Haus« sein?

Nun, es wird die Rückkehr geben, lassen Sie es uns so nennen!

Und Sie , Mark Gatiss und Steve Thompson werden wieder die drei Episoden verfassen?

Das ist richtig, ja.

© Hartwoods Films


Sie sprachen in der Vergangenheit über die neue CBS Sherlock Holmes Serie Elementary – hatten Sie Gelegenheit den Trailer dafür anzusehen?

Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass meine Äußerungen darüber ziemlich übertrieben wurden. Jemand fragte mich, was ich davon halte, dass Watson in eine Frau gewandelt wurde und ich antwortete, ‚Ich frage mich wie viele Dinge man ändern kann, bis es nicht mehr Sherlock Holmes ist?‘. Aber ich weiß nicht – ich habe es nicht gesehen, also kann ich es nicht wirklich kommentieren. Ich denke, jeder wartet ungeduldig darauf, dass ich es mir ansehe, ich allerdings nicht.

Als wir mit Gina Bellman (Leverage, Coupling) sprachen, deutete sie an, dass Ihre Jekyll Serie von 2007 ein ähnlicher Hit hätte sein können, wie Sherlock es wurde – stimmen Sie dem zu?

Es traf nicht den richtigen Zeitpunkt, aber ich fand es großartig. Ich war ganz allgemein begeistert von Jekyll, es erhielt sehr gute Besprechungen. Ich weiß nicht wie die Alchemie ist, wenn etwas wie eine Bombe einschlägt, wie Sherlock es tat. Ich denke, es ist eine Kombination daraus… es ist eine gute Sendung, aber irgendwie kam sie zum richtigen Zeitpunkt. Manchmal passiert das einfach.

Es passierte nicht mit Jekyll – die Vorstellung war vollkommen respektabel, das muss man sagen. Es gab nichts daran auszusetzen, aber es war einfach kein durchschlagender Erfolg. Wohingegen Sherlock sofort eine Saite beim Publikum anschlug. Noch bevor irgendjemand es gesehen hatte, war es bereits ein Hit, denn die Leute schalteten die allererste Ausstrahlung ein – sie konnten noch gar nicht wissen, ob es ihnen gefallen würde. Somit war es einfach eins von diesen Dingen – wir müssen exakt den richtigen Zeitpunkt getroffen haben, um Sherlock Holmes neu zu präsentieren.

Es gibt ähnliche Sendungen, im dem Sinne, dass sie moderne Adaptionen eines bekannten Stoffes sind…

Um ehrlich zu sein, ich denke, Sherlock Holmes ist der bekannteste Stoff. Aber ob das nun ein Vorteil ist oder nicht, ist interessant, denn seltsamerweise gab es viele, viele Sherlock Holmes [Adaptionen] die floppten. Daher weiß ich nicht, ob uns das sehr hilft.
Sie sind in dem Sinne ähnlich, als dass sie moderne Fassungen berühmter viktorianischer Geschichten sind, aber davon abgesehen, denke ich nicht, dass sie ähnlich sind – Jekyll war offensichtlich eine Fortsetzung, Sherlock ist eine direkte Aktualisierung. Sie zu schreiben, fühlte sich nicht ähnlich an.

Nun zu Doctor Who – wie war es Karen Gillan (Amy) und Arthur Darvill (Rory) Lebewohl sagen zu müssen?

O, das ist unglaublich traurig. Was man dabei außer Acht lässt, während das Publikum jemanden verliert, den sie jeweils für einige Monate pro Jahr sahen, verlassen Karen und Arthur etwas, in das sie seit Jahren jeden Tag involviert waren. Es ist nicht nur ein beruflicher Wechsel, es ist ein persönlicher Umbruch.
Was ich zu sagen versuch, es ist nicht als würde man entlassen, aber ein großer Teil deines Lebens ändert sich. Ich denke aus Karens und Arthurs und auch Matts [Smith] Sicht – Menschen, die man jeden Tag sah und die vollständig zu deiner Alltagsfamilie wurden, sind nun weg und werden nie wieder an diese Stelle in deinem Leben treten.
Daher ist es ein großer Umbruch – sowohl persönlich als auch menschlich. Die Leute sollten nicht unterschätzen wie erschütternd es für jeden Beteiligten ist. Ich meine erschütternd nicht im Sinne einer Tragödie – es ist keine Tragödie! Aber es ist eine verdammt große Änderung – es ist als zöge jemand aus deinem Haus aus, so eine große Sache ist es.

Diesen Herbst wird es fünf Doctor Who Folgen geben, dann ein Weihnachtsspezial und weitere acht Folgen in 2013 – welche Überlegung steckt hinter dieser Anordnung?

Ich wüsste nicht, dass die Überlegung in diesem Fall tatsächlich vor allem von mir kam. Ich war stets offen gegenüber Allem, das die Serie auflockert. Ich glaube, diese Entscheidung kam sogar von der BBC.
Aber ich bin immer für alles zu haben gewesen, dass die Ausstrahlungsmuster auflockert, die Art wie wir es den Zuschauern präsentieren und wie lange wir sie warten lassen, einfach weil dies Doctor Who zu einem Ereignis werden lässt.
Je mehr Docotr Who zu einer Konstante wird, desto eher fängt es an zu sterben. Man muss es aufrütteln, man muss die Leute aufs Äußerste gespannt halten und sie sich fragen lassen, wann die Serie weitergeht.
Sherlock ist ein Musterbeispiel dafür. Sherlock lebt fast davon die Zuschauer verhungern zu lassen. Als es dieses Jahr wieder anlief, war Sherlock wie ein Rockstar der ins Gebäude zurückkehrt!
Also behalten wir den Eventcharakter für Doctor Who bei und lassen die Leute niemals denken ‚O, es ist der nette, zuverlässige Doctor Who – es wird zu der und der Zeit in dem und dem Jahresabschnitt gesendet. Wenn man einmal damit anfängt, wird es ganz langsam wie alle vielgeliebten Ornamente in deinem Haus vollständig unsichtbar. Und ich will nicht, dass das je passiert. <br<
Es gab viel Geheimhaltung um die neue Bgleiterin – wann können wir erwarten herauszufinden wen Jenna-Louise Coleman spielt?

An Weihnachten! Aber erwarten Sie nicht irgendetwas herauszufinden! Wir haben eine gute Geschichte und es gibt einige ordentliche, berechtigte Überraschungen. Ich finde es aufregend und denke wir werden Spaß haben.

Hoffen Sie die Identität der Begleiterin bis zur Ausstrahlung des Weihnachtsspecials geheimhalten zu können?

Wir können nicht alles zurückhalten, da die Leute mit Kameras herumschleichen und Drehbücher und Dispoübersichten stibitzen werden. Irgendetwas wird herauskommen. Aber wir sind ziemlich listig gewesen, also warten wir’s ab.
Außerdem ist es os, dass viele Zuschauer, mit denen ich spreche, Spoiler besonders meiden und ich bin mir absolut sicher, dass sie mehr Spaß an der Sendung haben. Wie ich schon immer gesagt habe, wenn ich auf die dunkle Seite des Mondes könnte, würde ich’s tun, aber man kann es eben nicht.
Ich wurde von jemandem, der in Bezug auf die Fernsehindustrie extrem naive war, an den Pranger gestellt, da ich verraten hatte, dass Amy und Rory die Sendung verlassen würden! Aber wissen Sie, die Agenten der Schauspieler müssen die Verfügbarkeit ihrer Klienten angeben können – ich hatte keine andere Wahl als anzukündigen, dass sie weggehen werden. Aber in einer idealen Welt, würde man noch nicht einmal das tun.

Und sind Pläne für das 50. Jubiläum von Doctor Who ebenfalls in Vorbereitung?

Ja, sind sie. Ich hatte Anfang der Woche ein Meeting deswegen!