Frage & Antwort mit Una Stubbs

Übersetzung des Artikels ‚Q & A With Una Stubbs: The Joy of Victoria Sponges + Getting Sherlock Holmes to Eat‚, 7. Mai 2012.

© BBC/Hartswood Films


Falls Sie wie wir ein Fan von Steven Moffats göttlicher 21. Jahrhundert-Fassung von Arthur Conan Doyles Sherlock auf PBS Masterpiece Mystery sind, ist es eigentlich unnötig Sie mit Holmes‘ und Watsons Vermieterin, Mrs. Hudson, bekannt zu machen, aber wir machen es trotzdem.

Durch die erste Staffel von Steven Moffats süchtig machender, dreiteiligen Serie wissen wir, dass a) Mrs. Hudson an Sherlock (Benedict Cumberbatch) günstiger vermietet als Zeichen der Dankbarkeit, da er die Hinrichtung ihres Ehemanns in Florida sicherstellte, und b) dass Mrs. Hudson eine staubwedelnde Betriebsnudel ist, die oftmals in kritischen Momenten, in die Wohnung der Technik affinen Detektive in der 221B Baker Street (sie selbst wohnt in 221A) platzt und ihren Senf dazugibt oder laut über ein blutiges Körperteil jammert, dass Sherlock im Kühlschrank zu Forschungszwecken gelagert hat.

Aber nach der ersten, filmgleichen Folge der zweiten Staffel Skandal in Belgravia vom gestrigen Abend zu urteilen, wird deutlich, dass sie sich von einem leicht bekloppten Handlungs- element zu einer gluckenden Mutter Figur entwickelt hat. Jemandem, der sich um die beiden erwachsenen Detektive kümmert, die zwar unvergleichlich darin sind, Verbrechen zu untersuchen, aber im Haushalt vor einer Herausforderung stehen. Dass diese zusammengewürfelte Familie sich so realistisch anfühlt, ist teilweise dem ausgezeichneten Drehbuch geschuldet. Aber Ehre gebührt auch Una Stubbs, der groß- artigen, altgedienten britischen Schauspielerin mit der klingelnden Stimme und dem verrückten Charme, die sich einer wenig ausgearbeiteten, sekundären Witwenfigur annahm und sie wie jemand aussehen ließ, auf den Sherlock und Watson sich voll und ganz verlassen können. (Um zu begreifen wie gut Stubbs es weiß, eine, die Schau stehlende, geistreiche Person darzustellen, braucht man sich lediglich der Menge an Twitter Konten und dem Tumblr Blog zu widmen, die ihr zu Ehren entstanden sind.

Wenn Sie mehr über die Beziehung zwischen Stubbs und ihren Mitdarstellern Benedict Cumberbatch und Martin Freeman, die lächerlichen Requisiten mit den sie regelmäßig konfrontiert wird und welche Art Desserts sie gerne buk (als sie noch gebacken hat) wissen möchten, lesen Sie weiter.

Eines der wiederkehrenden Motive in dieser Staffel von Sherlock ist wie beschützend Sherlock und Watson sich gegenüber Mrs. Hudson verhalten und wie sie sie im Gegenzug bemuttert.

Ich mag Benedict und Martin wirklich gern. Sie sind reizende Männer. Wir verstehen uns alle sehr gut. Aber es hat sich einfach so entwickelt. So bin ich es gewohnt mich meinen drei erwach- senen Söhnen gegenüber zu verhalten. Es gibt da eine Szene in der letzten Episode [der zweiten Staffel] wo wir alle in Mrs. Hudsons Küche sind und ich sagte [zu Benedict], ‚Weißt Du was? Wenn meine Jungs vorbeikommen, gehen sie als erstes zum Kühlschrank.‘ So hat er die Szene dann gespielt.

Da wir gerade von Kühlschränken sprechen, ein unvergesslicher Moment in Sherlock ist die Szene in der Watson das Gefrierfach öffnet und einen menschlichen Kopf findet. Welche anderen Dinge lagert Londons berühmtester Detektiv bei 3 °C?

Daumen… und etwas, das wie ein Herz aussehen sollte. Und das liegt neben meiner Milch und anderem, das ich hineinlegte. Es ist jedes Mal sehr ärgerlich, wenn ich ihn öffne. Da sind all diese ekelhaften Dinge – und sie sehen im wirklichen Leben tatsächlich ekelhaft aus. Ich glaube, das Herz wurde aus einem großen Stück Leber geformt. Die Daumen waren Prothesen, aber sehr echt.

Kochen Sie viel?

Ich koche nicht mehr. Nicht wirklich. Ab und an backe ich, das macht mir Spaß. Mit dem Kochding bin ich durch. Jetzt gehe ich zum Essen.

Was backen Sie?

Viktoria Biskuitkuchen. Gibt es den in Los Angeles? Es ist ein sehr leichter, sehr schlichter Biskuitkuchen. Teekuchen. Bananenkuchen. Diese Dinge.

Es gibt eine Menge amerikanisches Essen in London. Was mögen Sie am liebsten?

Cäsar Salat und solche Gerichte. Ich nehme schnell zu, daher muss ich aufpassen. Ich liebte Hamburger, aber esse sie jetzt nicht mehr.

Gelegentlich – für Sherlocks und Watsons Weihnachtsfeier zum Beispiel – wird Mrs. Hudson die Verantwortung fürs Essen über- tragen. Was wäre ihre Idee für ein angemessenes Weihnachts- feieressen?

Vermutlich nichts besonders aufregendes. Wahrscheinlich kleinen Pizzen. Etwas für das man keinen Teller braucht. Ich glaube, wir nennen es ‚Finger Food‘.

Was glauben Sie, ißt Sherlock Holmes gerne?

Ich glaube, er hat keinen rechten Appetit, was mir Kummer bereitet. Ich versuche ihn zum Essen zu bewegen. Sherlock ißt ausschließlich Müll, deshalb sieht er so blaß aus. Jede Menge Chips und wahrscheinlich auch Essen, das sein Mindesthaltbar-keitsdatum überschritten hat, wie zum Beispiel Würstchen im Schlafrock.

Mrs. Hudson war immer ein geheimnisvoller Charakter. Wie wurde Ihnen die Rolle vermittelt, als Sie zum Vorsprechen kamen?

Gar nicht. Man bekam einfach das Drehbuch und las es, ging dann nach Hause und versuchte die beste Möglichkeit zu finden, den Charakter zu interpretieren und ob dies zu den anderen passen würde. Es gab auch keine Beschreibung im Drehbuch. Das war neu für mich. Aber so wie ich sie spiele, habe ich mir Mrs. Hudson vorgestellt.

Mrs. Hudson ist sehr bemutternd, aber sie setzt Sherlock und Watson auch eine Grenze. Sie bedient sie nicht von vorne bis hinten.

Im echten Leben mit meinen drei Jungs, die ich allein aufge- zogen habe, war ich sehr streng.Andernfalls hätte es Aufstände gegeben. Also nahm ich dies für die Rolle. Man will schließlich kein Fußabtreter sein. Es ist kein sehr ansprechender Charakterzug, nicht wahr?

Man erzählt sich, dass Sie Benedict Cumberbatch kenne seit er klein war. Stimmt das?

Ja. Ich habe mit seiner Mutter [Wanda Venthem] zusammenge- arbeitet. Wir saßen oft im Park und unterhielten uns. Ich hatte meine Kinder dabei und sie Benedict. Daher kannte ich ihn als kleinen Jungen von vier Jahren. Sehr höflich. Ein entzückender Junge.

Mussten Sie ihn je daran erinnern, dass Sie ihn bereits als kleinen Jungen kannten?

Seine Mutter hatte es ihm bereits gesagt. Er hat sich sehr gefreut mich zu sehen und dann mussten wir lachen, denn er erzählte mir, dass er sich daran erinnert, stundenlang herumstehen und warten zu müssen, während seine Mutter und ich uns unterhielten und er meinte, er erinnere sich daran so gelangweilt gewesen zu sein. [in nöliger Betonung] ‚Jetzt komm endlich, Mutter!!‘

Sein Aussehen ist recht umstritten. Eine ganze Tumblr Seite widmet sich der großen Ähnlichkeit zwischen Benedict Cumberbatch und einem Otter. Andere hingegen nennen ihn
das diesjährige Sexsymbol. Was denken Sie?

Auf der Straße sagen Leute zu mir ‚Hi Mrs. Hudson!‘ und dann, ‚Können Sie mir sein Autogramm besorgen?‘ Ein Mädchen, das ich in einem Restaurant traf, sagte ‚Ich bin fest entschlossen ihn zu heiraten‘. Es ist unglaublich. Er hat einen komplett eigenen Look, finden Sie nicht auch? In der einen Minute sieht er nicht ganz so gut aus. In der nächsten ist er hinreißend. Wie heißt der Ausdruck? Jolie laide. Das ist Französisch für häßlich-schön.