Den of the Geek Interview mit Andrew Scott


Übersetzung des Artikels Andrew Scott interview: Sherlock, Moriarty, and The Reichenbach Fall, 11. Januar 2012
Übersetzerin: Elisabeth Lewerenz

Interview mit Andrew Scott: Sherlock, Moriarty und der Reichenbachfall


Andrew Scott kehrt an diesem Wochenende in »Der Reichenbachfall« zu Sherlock zurück. Und er sprach mit uns über die Sendung und was er in der Zwischenzeit gemacht hat…

Es fühlt sich an, als hätten wir eine Ewigkeit auf das gewartet, was im Finale der zweiten Staffel von Sherlock passiert. Denn dann wird Andrew Scotts Moriarty sehr viel mehr auf dem Bildschirm zu sehen sein, wenn er gegen Benedict Cumberbatch‘ Hauptcharakter kämpft.

Direkt nach Drehschluss hat Andrew Scott ein wenig Zeit für uns, um über Moriarty, Sherlock und das Zusammenspiel mit Benedict Cumberbatch zu reden.

Es fühlt sich so an, als hätten wir schrecklich lange darauf gewartet, mal richtig Zeit mit deinem Moriarty zu verbringen, wenn man sich mal die Lücke zwischen dieser und der letzten Staffel Sherlock ansieht. Warst du dir dessen bewusst, als du angefangen hast zu drehen?
Ja, das war mir klar. Ich habe mich sehr darauf gefreut, ihn mehr ausarbeiten zu können. Wir sehen dieses Mal mehr von ihm.
Die Herausforderung bei der letzten Folge war der Versuch, in diesen zehn Minuten einen Eindruck zu hinterlassen. Dieses Mal gibt es mehr Zeit für ihn und ich habe die Chance, ihn ein bisschen zu vertiefen.

Und dann musst du wegen Martin Freemans Engagement in Der Hobbit auf den fertigen Zeitplan warten.
Ja. Es war ein etwas verrückter Sommer. Ich habe in einem Stück am National Theatre mitgespielt und steckte knietief in Proben als wir anfingen zu drehen. Ich war ziemlich dankbar dafür, dass ich Zeit hatte, die andere Sache zu machen.
Es eine ziemlich lange Zeit seit dem letzten Dreh gewesen zu sein, aber komischerweise fühlte es sich so an, als hätten wir erst gestern [Staffel 1] gedreht.

© Hartswood Films

Zurück zum Anfang und wie du zu Moriarty kamst. Wie wurde Dir die Rolle ursprünglich vorgestellt, denn es gibt einen Teil Anti-Moriarty in ihm?
Es gab keine wirkliche Ausrichtung. Aber ich entschied mich dazu, mich nicht zu sehr darin zu vertiefen, wer ihn vorher gespielt hat und dergleichen. Ich entschied mich dafür, beim Vorsprechen einfach das zu tun, was mein Instinkt mir sagte.
Ich glaube, darauf sind sie angesprungen. Ich war nervös… für mich ist das Unheimliche an Menschen, dass man nicht weiß, was in ihrem Leben vorgeht und man nicht viel über sie weiß. Daher wollte ich das Unheimliche in mir zum Vorschein bringen.
Er ist jemand, der vielleicht wie jedermann aussieht, aber Steven Moffat und Mark Gatiss reden viel vom Versteckspiel in der Offensichtlichkeit. Ich finde, das ist ein sehr interessantes Konzept. Nicht durch viele Kostümwechsel, sondern eher dadurch, dass man sein Gehirn benutzt, kann man direkt vor jemandes Nase agieren und derjenige bemerkt es nicht.

Aber gab es denn irgendwelche anderen Berührungspunkte, außerhalb der Welt von Sherlock Holmes, mit anderen Darstellungen von Bösewichten, als du Moriarty gespielt hast?
Nein. Ich weiß einfach, dass ich von ihnen klauen würde, also habe ich mir nichts angeschaut! [lacht]
Ehrlich gesagt, habe ich mir gar nichts angeguckt… Ich glaube, die Leute meinen, er ist ein bisschen so und ein bisschen so… Ich habe versucht, das nicht zu tun oder zu denken ‚darauf sollte ich ihn aufbauen‘.

Der Cliffhanger, mit dem sich die letzte Staffel in ihren letzten 10 Minuten von uns verabschiedete, zeigte uns Sherlock von siner kältesten Seite und Moriarty schien hingegen, ich würde nicht sagen warm, aber er war anscheinend in positiverer Stimmung.
Ja, ich finde, das ist das Interessante an ihm. Er ist sehr verspielt und ich glaube, das wollte ich ihm auch mitgeben.
Ich denke, dass der Bösewicht manchmal… die recht typische Idee von Sanftheit und Bedrohung, es muss nicht unbedingt jemand sein, der das mitbringt. Das macht es vielleicht etwas überraschender. So verpasst man einem Charakter einen eigenen Stempel anstatt einer der Bösewichte zu werden, die wir schon kennen.
Denn die Spannung baute sich ohnehin in Richtung Moriartys Auftritt und sein Aussehen auf… ich glaube, es wäre langweilig, einfach hinzugehen und etwas zu machen, dass wir möglicherweise alle schon gesehen haben.
Ich versuche mir anzusehen, was es in mir für düstere und unheimliche Ecken gibt und was mir Angst macht. Deswegen habe ich versucht, Moriarty ein bisschen verspielter zu machen. Er ist das Ying zu Sherlocks Yang und ich finde, in dieser Situation muss er einen Eindruck hinterlassen.

Was ebenfalls zur Wucht von Moriartys Einführung beigetrug, war die Tatsache, dass die Fernsehzuschauer dich nicht wirklich kannten. Wir hatten in Sachen Fernsehen noch keine zuvor gebildete Vorstellung von dir.
Ich denke, das ist wirklich wahr. Ich glaube, bei meinem Beruf ist es ziemlich schwierig, Arbeit beim Fernsehen zu finden… man will nicht für etwas bekannt werden, an das man nicht vollständig glaubt. Ich war mir dessen bewusst… habe mich aber nicht absichtlich bedeckt gehalten, es gab schon Rollen, die ich spielen wollte, aber nicht bekam. Aber ich habe vieles abgelehnt, um mich auf wirkliche gute Sachen zu konzentrieren, und wirklich gute Rollen. Ich denke, das muss man am Anfang seiner Karriere tun.
Ich glaube, da ich nun bereits ein wenig länger im Geschäft bin, war es eine wirklich tolle Möglichkeit, eine Rolle zu spielen, das mehr in der Öffentlichkeit steht. Oder vielmehr etwas Beliebtes. Etwas wirklich gut Geschriebenes.

Ich sah einen kurzen Teil der dritten Folge, welche ich niemandem verderben will. Also sage ich einfach, dass es eine Szene mit dir und Benedict war, mit zwei intelligenten Leuten, die sich hinsetzen und, um es einfach zu sagen, sich unterhalten. Wie viel Vorbereitung musst du in so etwas stecken, um die Tiefe und die Qualität ihrer Unterhaltung rüberzubringen?

Ich finde, das ist eine sehr gute Frage, denn wenn etwas richtig gut geschrieben ist und der Dialog nur so sprüht, dann muss man sich genau darauf konzentrieren. Wie machen wir das so gut wie möglich?
Für mich ist es bei Moriarty sehr wichtig, dass dieses spielerische, unerwartete Gefühl bestehen bleibt. Ich glaube, deswegen kann man sich nicht wirklich viel vorbereiten. Man will so spontan wie möglich sein und deshalb habe ich eigentlich einfach nur den Text gelernt. Und dann habe ich versucht, ihn in möglichst vielen unterschiedlichen Weisen am Tag des Drehs zu spielen.
Manchmal funktioniert das, manchmal nicht, aber ich verlasse mich sehr auf Benedict und was wir zusammen machen. Es ist diese Chemie zwischen zwei Schauspielern, die einen sich wirklich gegenseitig zuhören lässt.
Man kann nicht wirklich wissen, wie das sein wird oder sich zu viel darauf vorbereiten; bis man am Set ist, dann gibt man sich der Sache komplett hin. Manchmal fand ich, dass verschiedene Takes jedes Mal sehr, sehr unterschiedlich gewirkt haben. Aber dann übergibt man das Material den Anderen und schaut, was im Schnitt am besten funktioniert.

Die Ruhe funktioniert sehr gut. Es ist eine sehr theaterhafte Annäherung an den Stoff. Aber ohne den übertheatralischen Stil, dem das Theater manchmal verfällt, wenn das Sinn ergibt.
Ja, das tut es. Ich weiß genau, was du meinst.

Ich liebe es, wenn ihr euch einfach nur unterhaltet. Das hat am Ende der ersten Staffel sehr gut gewirkt. Es hat wirklich geholfen, dass Paul McGuigan die Kamera so still gehalten hat.
Ja. Toby Haynes führt bei der nächsten Folge Regie und er erlaubte uns einfach, das Gleiche immer und immer und immer wieder zu spielen. Und manchmal machen wir einen Haufen Sachen und ich denke dann „Oh, das ist falsch“. Aber es muss so sein. Ich glaube, das trägt alles dazu bei, Moriarty so verunsichernd wirken zu lassen. Ich würde sagen, man kann von ihm ein wenig das Unerwartete erwarten.

Es ist eine wirklich mutige Entscheidung, so früh zu dieser nächsten Geschichte zu kommen, nach nur sechs Folgen Sherlock.
Mark und Steven sagten immer: „Warum sollen wir nicht jetzt das machen, was uns am besten gefällt, während wir den meisten Spaß haben?“ Ich gebe ihnen da recht. Ich denke, man muss sich sagen „wir lieben das Alles, also lass es uns tun, während wir alle vollkommen enthusiastisch deswegen sind.“

Gab es irgendwelche Diskussionen über zukünftige Auftritte für Moriarty? Ich will nichts verraten, aber ich könnte mir vorstellen, dass man mit der chronologischen Reihenfolge so oder so spielen kann. Ich frage mich nur, ob ihr euch darüber unterhalten habt?
Ja, haben wir. Es ist sehr interessant. Man fragt sich, welcher Weg der richtige ist. Wie oft nutzt man Moriarty und wie sehr beschützt man ihn? Ich fange an, ihn sehr beschützen zu wollen. Ich denke, es ist seine Stärke, dass er nicht zu oft genutzt wird, aber dann will man natürlich auch ein bisschen Spaß mit ihm haben. Ich glaube, die Balance ist in Staffel Zwei gut.

Was dir jetzt wahrscheinlich bevorsteht ist, dass kommende Rollen Angebote dem ähneln werden, womit du jetzt erfolgreich warst. So wie Film und Fernsehen heutzutage sind, könnte ich mir vorstellen, dass du viel abgekupferten Kram bekommen hast?
Ja, das ist vollkommen richtig. Obwohl was gut war ist, dass alle meine Rollen ein bisschen anders als diese waren, da ich schon eine Weile im Geschäft bin und weil Moriarty für viele eine Überraschung war.
Man muss damit vorsichtig sein und es könnte sein, dass ich mich von Bösewicht-Rollen erst einmal fernhalte. Obwohl es ja verschiedene Arten von Bösewichten gibt.
Das ist der Kick für mich: komplett unterschiedliche Charaktere zu spielen. Ich glaube, mein nächstes Projekt wird ein Kostümfilm, irgendetwas vollkommen anderes.
Aber ich mag Moriarty, er ist so völlig gewillt etwas zu tun, wogegen man reagieren kann anstatt ein geistloser Charakter zu sein… Manchmal denke ich, dass man deswegen langweilige Charaktere im Fernsehen sieht, da man stets Variationen eines Themas bekommt. Eine britische Version einer amerikanischen Show oder so etwas. Das sind die Shows, die mich nicht interessieren.
Deswegen bin ich stolz auf Sherlock. Es basiert auf einer wirklich klassischen Geschichte und macht sie sich komplett zu Eigen. Daher – ich weiß nicht, was du denkst – aber ich fand die Menge an Zuspruch für die Serie nach nur drei Folgen unglaublich.

Aber es ist nun mal eine exzellente Serie, was die Serie selbst und auch die Planung angeht. Die Planung erfolgte gegen jede Regel, nach der man es eigentlich hätte machen sollen.
Absolut. Es war waghalsig und so denke ich auch über Moriarty. Man muss hingehen und mutig sein und sagen „Ich werde das so machen“. Und natürlich reagieren die Leute darauf, und sagen „Oh mein Gott, es ist so und ich wollte es aber so. Aber man sagt, ‚wisst ihr was, so ist es aber nicht’“. Und dann gewöhnen sich die Leute natürlich daran und so schafft man letztendlich etwas Einzigartiges und Spezielles. Das macht das Künstlerdasein aus.

Benedict Cumberbatch hat erzählt, dass er nach Sherlock im Schwimmbad war und Leute plötzlich mitten in der Bahn aufhörten zu schwimmen und sagten „Er ist Sherlock!“. Ich könnte mir vorstellen, dass Kinder eine Höllenangst hätten, wenn sie dich im Schwimmbad sehen würden…
[lacht] Hoffentlich befinden sie nicht in der Nähe des tiefen Bereichs!

Hast du irgendwelche Probleme damit, als ikonischer Bösewicht erkannt zu werden?
Nein, nicht wirklich! Ich weiß nicht, aber aus irgendeinem Grund, scheine ich im wahren Leben etwas anders zu sein als Moriarty! Mir geht’s gut, mir passiert sicher nicht das, was Mr. Cumberbatch passiert. Nur ein paar Leute auf der Straße.

Warte bloß ab, was passiert, wenn die Staffel vorbei ist…
Da könntest du recht haben! [lacht]

Andrew Scott, herzlichen Dank!

© Hartswood Films

Ein Gedanke zu “Den of the Geek Interview mit Andrew Scott

  1. Schönes Interview. Wäre wirklich schön, ihn nun öfter im Film oder Fersehen zu sehen

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