Benedict Cumberbatch – ShortList

Übersetzung des Artikels Benedict Cumberbatch, 29. August 2012 – Übersetzerin: LittleMaybe
[unter dem Artikel: Übersetzung der Stellungnahme von Hr. Cumberbatch]

Zur sichtlichen Bestürzung eines Hotelangestellten nahebei,
ist Benedict Cumberbatch auf das Sofa geklettert, während ShortList hilflos zusieht. Es ist keine kunstvolle Tom-Cruise-Darstellung. Stattdessen führt er Krieg gegen einen Brummer, der um seine Ohren gesummt ist, und jetzt, mit dem dritten präzisen Kissen-Schlag, hat er ihn gegen das Fenster geknallt und zu Boden taumeln lassen.

»Bitte entschuldigen Sie,« sagt er, sich mit einem zufriedenen Grinsen in seinen Sessel setzend. „Es musste getan werden. Aber das war ziemlich brutal. Wie Sie sehen können, war Mr Miyagi mein Trainer bei »Star Trek 2«.” Es wird Tierschutz-
gruppen nicht gefallen, aber das Insekten-Schlachten des Sherlock-Stars eröffnet die Bühne für feurige 45 Minuten in seiner Gegenwart. Während er Meinungen zu allem von Nachahmer-Holmes-Serie »Elementary« und Sexszenen
bis zu Kamera-Handy schwingenden Fans und dem Knacken Hollywoods abfeuert, ist klar, dass er entschlossener ist denn
je. Also denken Sie an jene Fliege. Sie hatte nie eine Chance…


Sie spielen die Hauptrolle in der mitreißenden neuen BBC-Serie Parade’s End. Wir konnten nicht umhin zu bemerken, dass Sie einen weiteren gemarterten, hyper-intelligenten Aristokraten spielen…
[Lacht] Ah, aber diesmal ist es ein fetter. Das ist der Unterschied. Nein, im Ernst, trotz der Meinungen der Leute habe ich nicht so viele Aristokraten und Landadlige gespielt. Ich gebe zu, dass ich schnell rede, weil ich ein Privatschuljunge bin, aber ich habe gar nicht mal so viele Kostümfilme gemacht. Ich habe zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Georgianischen Zeit oszilliert. Das ist meine Nische.

Was an dieser Rolle hat Sie angelockt?
Tom [Stoppard] kam und trank Tee mit mir im National Theatre, was immer ziemlich verführerisch ist. Sobald er mich fragte, ob ich einen Keks zu meinem Tee haben möchte, wusste ich was los war. Rebecca [Hall], die eine sehr gute Freundin ist, hat mich ebenfalls mehr oder minder überredet. Aber es ist wirklich das Buch [von Ford Madox Ford]. Es ist der erste moderne Roman, und er behandelt Konsumverhalten, den Ersten Weltkrieg und
die tödlichen Qualen der Oberschicht durch das Prisma dieses Liebesdreiecks. Es ist unglaublich.

Hat Ihre Freundschaft mit Rebecca Hall die Sexszene in der ersten Folge leichter gemacht?
Nein, ich meine, wir haben uns schlapp gelacht – an dem Tag gab es eine Menge verschwendetes Filmmaterial. Aber [es ist gut] über die Albernheit zu kichern, als sich zu verkrampfen. Ich bin auch auf Du und Du mit ihrer besseren Hälfte, was komisch gewesen sein muss. »Wie war dein Tag, Liebling?« »Na ja, ich habe gerade Benedict in einem Eisenbahnwagen geritten…« [lacht].

Hat das Drehen also insgesamt Spaß gemacht?
Wir hatten einigen Spaß, als wir in Belgien gedreht haben. Ich habe verzweifelt versucht, zuzunehmen, also gab es viel Fast-
food und Alkohol, ohne sich darüber Gedanken zu machen. Bei »Sherlock« sind es viele Kerne, Säfte, Schwimmen und Laufen, aber bei dem hier hielt ich mich an viel Bier, Wein, Chips und die fantastischsten verdammten echten Steaks und Goulaschs. Ich habe trotzdem nicht genug zugenommen. Für »Star Trek« habe ich aber ungefähr drei Anzuggrößen zugelegt.

Würden Sie jemals für eine Rolle so richtig zulegen wollen wie Ihr »Tinker Tailor…« Co-Star Tom Hardy es für »Warrior« getan hat?
Tatsächlich habe ich Toms Trainer Patrick [“P-Nut” Monroe] für »Star Trek« benutzt. Aber ich bin über [die Idee], dass du nur extrem zunehmen musst, um in die heiligen Hallen des Method Acting mit Marlon Brando und Robert De Niro aufgenommen zu werden, immer etwas mürrisch gewesen. Kommt schon! Ich den-
ke, Tom würde es auch in Frage stellen. Der anteilige Aufwand verdient einigen Respekt, aber es ist noch keine Darbietung.

Haben Sie in der letzten Zeit einen Sprung in Ihrer Berühmtheit bemerkt? Werden Sie öfter erkannt?
Ein bisschen, ja, du verlierst auf Anhieb die Fähigkeit, in der Öffentlichkeit privat zu sein. Wenn ich ein Hemd und einen
Anzug trage, sehe ich sehr nach Sherlock aus und bin leicht zu erkennen, aber ich versuche nicht, mein Aussehen bewusst abzustufen. Andererseits, so sehr ich auch versuche, ihnen zu widerstehen, funktionieren Kapuzenpullover und Baseballkap-
pen wunderbar. Allerdings hat die einzige Kappe die ich besitze, und die auf meinen seltsamen Kopf passt, »War Horse« drauf [lacht].

Nicht die beste Verkleidung…
Nein, es würde wie Eigenwerbung aussehen. Ich glaube, David Tennant hat eine Mütze mit Haarbüscheln dran. Das ist irrwitzig, aber es zeigt, wie seltsam es sein kann. Die Leute denken, dass wir nur von Chauffeur-gefahrenen Autos zu roten Teppichen laufen und grundsätzlich Leute haben, die uns die Ärsche ab-
wischen, aber manchmal muss man normale Dinge tun. Deshalb ist es ein bisschen komisch, wenn die Leute dich in der Abteilung für Tiefkühlerbsen sehen und anfangen auszuflippen.

Finden Sie die ganze Aufmerksamkeit dann schwierig?
Ja, manchmal willst du sagen »Ich habe eigentlich etwas dage-
gen, dass ein Foto von mir gemacht wird, denn es ist ein Uhr morgens und ich bin nicht ganz bei mir.« In neun von zehn Situa-
tionen habe ich absolut kein Problem damit. Aber manchmal ist das Timing einfach schlecht. Außerdem, was zur Hölle ist dieses Verlangen nach Beweisen, das wir alle haben? Warum muss ich für Leute die erste Seite eines Buches mit meiner schrecklichen Unterschrift ruinieren, damit sie beweisen können, dass sie mich getroffen haben? Glaubt ihnen sonst keiner? Es ist verflucht seltsam, und du hinterfragst es nicht, bis es dir passiert.

Zurück zu »Star Trek 2«, es gab eine Menge Spekulationen über Ihre Figur…
Ja, sie ist noch etwas, über das ich nicht reden kann [lacht]. Ich sage Ihnen so viel, sie ist Kult und sie ist aufregend. Zu demen-
tieren, dass es Khan ist, langweilt mich, weil die Leute es weiterhin sagen.

Hat es Spaß gemacht, einen Bösewicht zu spielen?
Sehr, sehr viel Spaß. Es ist eine großartige Rolle, und sie ist wirklich gut geschrieben. Ich habe die Kämpfe und die Stunts ge-
nossen, es gibt viel davon und es ist echt ordentliches Actionfilm-Territorium. Am Anfang des Jobs bin ich weg und habe »The Hobbit« gemacht [Motion-Capture-Aufnahmen und Synchron-
sprechen als der Drache Smaug und der Necromancer], also bin ich wortwörtlich zum Set gekommen, habe den Look festgelegt, habe einen Tag gefilmt und mich dann für zwei Wochen nach Neuseeland verpisst, bevor ich zurückgekommen bin. Aber es ist der Stoff aus dem Träume sind. Ich weiß, es ist so ein ausgetre-
tenes Klischee, »britischer Darsteller spielt den Bösen in Holly-
wood«, aber ich habe das Alles umfunktioniert und es wirklich genossen.

Sind Sie von der Aufregung überrascht, die Sherlocks »Tod« am Ende der letzten Staffel hervorgerufen hat?
Die Stufe der Besessenheit war verrückt. Als ich das im Dreh-
buch gelesen habe, hatte ich den größten Kick meines Lebens. Ich erinnere mich, wie ich Martin angerufen und gesagt habe »Gottverdammt. Hast du das gelesen?«.

Werden wir herausfinden, wie Holmes es getan hat?
Natürlich werden Sie es herausfinden. Aber nicht jetzt…

Können wir ein paar Theorien mit Ihnen durchgehen?
Können Sie, aber es wird eine solche Verschwendung Ihres Atems sein.

Okay, also hatte das alles etwas mit Sherlocks Obdachlosennetzwerk zu tun?
Ja, alle obdachlosen Menschen in London haben mich aufge-
fangen [lacht]. Sie haben eine menschliche Matratze geformt und es war wundervoll. Es fühlte sich an, wie an seinem Geburtstag hochleben gelassen zu werden*, ich habe überhaupt nichts gespürt. Nein ernsthaft, ich bin gesprungen. Ich hing an einem Drahtseil und bin über die Kante des Gebäudes gesprungen. Ich bin ungefähr drei Meter in einen Haufen Kartons gesprungen, nur von einem Geländer von dem echten Fall getrennt. Wir haben das ungefähr zwei oder drei Mal im Regen gemacht, mit Leuten, die es gegenüber gefilmt haben, und es war verdammt genial. Ich habe drei Mal Fallschirmspringen gemacht, und es war fast genauso aufregend. Ich bin sogar mit dem Fallschirm gesprun-
gen, als ich in Neuseeland war, was ich niemandem erzählen sollte, aber da haben Sie’s.

[*Anm. der Übersetzerin: »to get the bumps on one’s birthday« ist eine britische Tradition bei Kindergeburtstagen, bei der das Geburtstagskind nach Anzahl der Lebensjahre von den Gästen in die Luft geworfen und wieder aufgefangen wird]

Hat Ihr [»Sherlock« und »The Hobbit«] Co-Star Martin Freeman mitgemacht?
Oh Gott, nein. Klein-Martin? Können Sie sich das vorstellen? Er dürfte sowieso nicht, er muss der brummige Hobbit sein. Er wäre unten am Boden und würde total cool und Mod-mäßig mit seiner Sonnenbrille, Ska hörend, mit den Worten »Ja, das sah nach Spaß aus, du Trottel.«.* Während ich dort rumhüpfe wie Tigger.

[*Anm. der Übersetzerin: Mods sind Anhänger einer Subkultur aus den Sechzigern, Ska ist eine jamaikanische Musikrichtung]

Ein weiterer »Sherlock«-Moment, der einer, äh, intensiven Überprüfung unterzogen wurde, war Lara Pulvers Nacktszene…
Ja, sie hat deswegen einen komplett neuen Karriereschub be-
kommen. [Ich denke] das ist ziemlich Scheiße, denn sie ist eine großartige Schauspielerin.* Aber ihre Story verändert sich… ich meine, sie hatte Sachen, die sie bedeckt haben. Ich habe einen Artikel gelesen, in dem stand, »… und Benedict Cumberbatch hatte das Glück, alles zu sehen.« Ich kann Ihnen hier und heute sagen, dass ich mich erinnern würde, wäre das der Fall gewesen. Ich bin ein Profi, gottverdammt.

[*vermutlich in Richtung »anderer Karriereschub« zu interpretieren, »weg von hochwertigen Charakterrollen und hin zu Fetischobjekten und schmückendem Beiwerk«]

Hat es irgendwelche Diskussionen über die nächste »Sherlock«-Staffel gegeben?
Ja, wir hatten ein paar Treffen, aber ich denke nicht, dass wir bis Januar drehen werden. Ich muss ein paar weitere Gespräche mit [den Schöpfern Steven Moffat und Mark Gatiss] führen und sie damit ärgern, dass ich jetzt durchaus eine Karriere neben »Sherlock« habe, also sollten sie lieber verdammt nochmal was schreiben.

Was denken Sie über die neue, moderne US-Adaption von Sherlock Holmes, »Elementary«?
Johnny [Lee Miller] hat mich gefragt, ob ich damit einverstanden bin, dass er es macht. Ich habe gesagt, »Was sind die Ähnlich-
keiten?« und er sagte, »Na ja, es ist modern…«. Ich sagte »Oh.«. Dann sagte er »Lucy Liu wird Joan Watson spielen…«, und ich sagte, »Oh.«. Ich habe mir das Drehbuch der Pilotfolge besorgt, nur um mal anzuschauen. Ich weiß nicht, wir werden sehen. Ich denke, dass es genug Raum für uns beide gibt. Ich fühle mich nicht davon bedroht und ich wünsche ihm das Beste, was so diplomatisch ist, wie ich nur sein kann.

Es ist eine seltsame Position…
Es ist sehr komisch. Ich habe tatsächlich gesagt, »Na ja, ich würde es vorziehen wenn du’s nicht tust, aber du hast ein Kind zu ernähren, ein schönes Haus in L.A. und eine Frau, die was Nettes zum Anziehen braucht.«. Wenn du dich an einen gewis-
sen Lebensstandard gewöhnst und sie dir mit einem Gehalts-
cheque winken, was machst du? Ich denke, Jonny sagte sich »Kumpel, ich muss hier einen verdammten Berg hochklettern [um die Anerkennung von »Sherlock« zu erreichen], du hast nichts zu befürchten.«. Ich wünsche ihm alles Glück, aber ich bin ein bisschen zynisch, warum sie es machen wollten und warum sie ihn gecastet haben.

Zu etwas anderem, Sie sind auf dem Weg, Steve McQueens und Michael Fassbenders Nachfolger von »Shame« zu drehen, »Twelve Years A Slave«. Aufgeregt?
Es ist ein bisschen furchteinflößend, weil ich einer von ungefähr zehn Hauptdarstellern bin. Außerdem schließe ich mich Brad Pitt und Michael Fassbender an. Ich will nicht arrogant klingen, aber es fühlt sich für mich absolut richtig an in so einem Ensemble zu sein. Sie sind einfach erfahrener, und Michael ist offensichtlich sehr an die Arbeit mit Steve gewöhnt. Es ist eine gute Nervosität, und ich freue mich darauf, Szenen mit Michael zu haben.

Okay, wir haben die große Frage zum Schluss aufgehoben: Haben Sie die Website »Otters Who Look Like Benedict Cumberbatch« gesehen?
Ja! Sie sind großartig, aber ich muss sagen, dass die Leute, die sie gemacht haben, die Bilder besser aufeinander abstimmen hätten können. Gebt euch Mühe, Leute. Es gab mal einen heftigen Blogkommentar über mich, in dem stand, ich sei ein »hölzerner Schauspieler«. Diese Otterfotos beweisen, dass ich viele Dinge sein mag, aber nicht hölzern. Das kann man mir nicht nachsagen.

(Fotografien: David Venni, Bilder: Rex Features, All Star)

Anm. von Anne: Die Erfinderin des (genialen) Ottervergleichs reagierte auf ihrem Blog. Nachzulesen hier… redscharlach.tumblr.com

Übersetzung der Stellungnahme von Benedict Cumberbatch gegenüber dem Hollywood Reporter:
»Ich bin sowohl belustigt als auch bestürzt über dieses falsche Zitat. Ich habe nie gesagt, dass Johnny den Job wegen der Gage annahm noch habe ich ihn gebeten, die Rolle abzulehnen. Was ich sagte war, dass ich es bevorzugt hätte, nicht wieder in die Situation zu geraten, in der wir verglichen werden, da wir Freunde sind. Ich weiß sicher, dass seine Motivation mit der Qualität des Drehbuchs und der Herausforderung, die diese außergewöhnlichen Rolle bietet, zusammenhingen.

Es ist erstaunlich, denn ich habe lediglich einen unglaublich talentierten Schauspieler, auf dessen Freundschaft ich stolz bin, darin bestärkt einen Job anzunehmen, von dem ich weiß, dass er ihm immens viel Spaß bereiten und in dem er großartig sein wird.

Über 70 Schauspieler haben diesen außergewöhnlichen Charakter vor uns gespielt. Zu sagen, dass es nur einen Holmes geben kann, wäre aberwitzig. Wir freuen uns beide riesig, dass wir die Möglcihkeit erhielten ihn in einem modernen Kontext zu spielen. Die Welt von Sherlock Holmes und die Welt in der wir leben, ist groß genug für mehr als eine Interpretation. Als wahrer Sherlock Holmes Fan freue ich mich sehr auf seine Serie.«

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