LAMDA Sommerworkshop

Zwei Wochen Theaterarbeit vom Feinsten
Sommerworkshop an der London Academy of Music and Dramatic Arts – Bericht & Fotos von Yvonne Maier (Theaterpädagogin)

IMG_2913Fast ein Jahr habe ich darauf gewartet – im August 2013 war es endlich so weit: Ich durfte die heiligen Hallen der London Academy of Music and Dramatic Arts, kurz LAMDA, betreten. Die Schule, an der auch Benedict Cumberbatch seinen Master in Schauspiel absolviert hat.

LAMDA liegt im Westen Londons direkt an einer vierspurigen Straße und zunächst hat man nicht den Eindruck, dass hier die große Kunst entstehen kann. Doch sobald man durch die Flügeltüren gegangen ist, wird es ruhig; eine nette Studentin sitzt an der Pforte und lässt mich und die anderen Teilnehmer rein. Vor uns das Treppenhaus, nach links geht‘s in den Aufenthaltsraum.
Im Sommer kann man an LAMDA, wie an vielen anderen re-
nommierten Schauspielschulen in Großbritannien, Sommer-
kurse belegen, vom 2-Monats-Workshop zu Shakespeare über Audition-Training bis hin zu zwei Wochen Physical Theatre – was ich belegt habe – ist für jeden etwas dabei. Wahrscheinlich entscheiden die Anzahl der Urlaubstage und das Portemonnaie, worauf man sich einlassen kann.

Bewerben kann sich praktisch jeder, wie die Auswahl genau läuft, wird nicht geklärt – aber nach ein bisschen Warten treffen sich schließlich 24 aufgeregte und neugierige Men-
schen zwischen 16 und 47 Jahren im großen Probe- und Tanzsaal im zweiten Stock. Blaue Vorhänge verdecken die Spiegel und Ballettstangen, die Klimaanlage läuft und wir warten auf die Dozenten. Physical Theatre beinhaltete bei uns: Clown und Improvisation und jeden Tag drei Stunden schweißtreibende Körper- und Stimmarbeit.
Die Trainer sind exzellent, unterrichten auch die „regulären“ Studenten, und nehmen uns Sommerkursler aber genauso ernst und wichtig, wie die Bachelor- oder Master-Schüler.
Die Gruppe ist international: USA, GB, Deutschland, Spanien, Mexiko, Portugal, Schweden, Belgien, Italien und Norwegen – die Unterrichtssprache ist Englisch.

Manche haben eine Schauspielausbildung hinter sich, manche wollen dies noch, manche sind Performance-Künstler, Lehrer oder wie ich, Theaterpädagogen. Eine bunte Mischung aben-
teuerlustiger Theatermenschen.
Das Training ist für alle eine bewegende Arbeit, für die meis-
ten ist der Ansatz ziemlich neu – Theaterarbeit ausgehend vom Körper und nicht vom Text. In den Clownproben halten wir uns die Bäuche, in der Körperarbeit tauschen wir nach einer Stunde die durchgeschwitzten T-Shirts aus. Wir unter-
halten uns über die unterschiedlichen Theatertraditionen und -ansätze in unseren Heimatländern, beneiden die, die aus London kommen, weil der wunderbare Körpertheaterdozent Yorgos Karalamegos regelmäßig Workshops gibt und pro-
bieren Straßentheater an der Southbank aus.

Fazit: Wer es sich nicht leisten kann, für 9.000 Pfund im Semester an der LAMDA ein volles Schauspielstudium zu absolvieren, sollte es mal mit den Sommerkursen probieren. Die Dozenten sind hervorragend, der Ort ist inspirierend und wenn man die Treppe direkt nach dem Eingang hinaufgeht, kann man auf dem ersten Absatz ein schwarz-weiß Foto von Benedict Cumberbatch bewundern, das ihn bei seiner Ab-
schlussaufführung während seines Masterstudiums zeigt. Oder sich davor fotografieren lassen.

Übrigens: Ich war genau in der Zeit in London, als Staffel 3 in der North Gower Street und auf dem Trafalgar Square ge-
dreht wurde – und ich habe keinen Tag Workshop ausfallen lassen, um da ein bisschen zu fangirlen. Was wiederum zeigt, wie hervorragend die Kurse dort sind, die ich auf keinen Fall – auch nicht für Sherlock – ausfallen lassen wollte. Wer hätte das gedacht.
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