23. Mai


23. Mai

Tod via Twitter

Als Ceylan Hassan starb, sah es nach einem tödlichen Unfall mit Fahrerflucht aus. Sie war Einkaufen gewesen und überquerte die Straße vor ihrem Haus als sie von einem Bus erfasst wurde. Es war nicht schön, aber nichts daran erschien unge-
wöhnlich. Bis uns ihr Bruder aufsuchte und uns bat ihre letzten Tweets zu lesen.

Weder Sherlock noch ich haben Twitter Konten (all die Konten sind Fakes) aber wir haben uns die Sache schon einmal angesehen. Und der Bruder, Frank, hatte recht. Ceylans letzte vier „Tweets“ waren recht interessant.

„Ich weiß, dass er kommt um mich zu holen“

„Ich weiß, dass er kommt“

„Ich weiß“

„Ich weiß“

Frank Hassan erzählte uns, dass Ceylan in den Wochen vor ihrem Tod zerstreut schien. Er konnte nicht erklären, was genau nicht mit ihr stimmte – auch nicht nachdem Sherlock sein übliches Geschrei abgezogen hatte. Sie hatte ihr Facebook Konto deaktiviert, all ihre Emails gelöscht und jemanden beauftragt einige zusätzliche Schlösser an den Türen ihres Hauses anzubringen. Es war recht offensichtlich, dass sie annahm jemand hätte es auf sie abgesehen.

Die Verkehrsüberwachungskamera zeigte, dass Ceylan bewusst vor den Bus gelaufen war, sodass die polizeiliche Untersuchung letztlich auf Suizid schloss. Wiederum sehr tragisch, aber da sie nicht gestossen oder Ähnliches wurde, gab es nichts was sie hätten unternehmen können.

Sherlock interessierte sich sehr dafür, dass sie ihr Facebook Konto deaktiviert hatte. Er stöberte durch meinen Blog und fand jemanden, von dem er annahm, er könne ihm dabei behilflich sein, ihr deaktiviertes Konto und ihre gelöschten Emails wieder herzustellen. Er fand diesen Jemand über die Art wie dieser seine Kommentare verfasst hatte. Eine Person, die uns als theimprobableone bekannt war. Innerhalb einer halben Stunde fand Sherlock alles, was Ceylan von sich gelöscht geglaubt hatte, in seinem Posteingang vor.

Er entdeckte alles über sie. Es stellte sich heraus, dass sie einen Ex-Freund hatte. Ein Mann, den sie einige Male getroffen und dann zurückgewiesen hatte.

Es schien sich nichts unter ihren Emails zu befinden bis wir ihren Spam Ordner durchsahen. Seht Ihr was ich sehe?emails_crop

Die Emails sehen wie üblicher Spam aus bis man die Absenderadressen näher betrachtet. Auf Twitter und Facebook hatte es sich ähnlich zugetragen. Ein konstanter Schwall von Spam, in dem sich versteckte Drohungen verbargen.

Ich begleitete Sherlock bei der Suche nach dem Ex. Er war weg. Hatte das Weite gesucht. Sherlock war sehr wütend darüber. Es gab Nichts, das er tun konnte. Er bedauerte immer nicht in der Lage gewesen zu sein, den Mann vor Gericht gebracht zu haben. Es tat ihm bis zu seinem Tod leid.

Aber wie jeder, der unseren Blog liest natürlich mittlerweile weiß, sind all unsere Fälle fingiert. Sie waren nicht echt. Nichts davon war echt. Nichts von diesem Unsinn ist echt. Es sind alles Lügen. Oder nicht?

Der war für Dich, Sherlock.

12 Kommentare

Warte! Du bist nicht auf Twitter?!!
Harry Watson 23. Mai

Nein. War es nie.
John Watson 23. Mai

Mit wem zum Henker habe ich mich dann dort unterhalten?
Harry Watson 23. Mai

Es war der stolzeste Tag meines Lebens, aber nun weiß ich nicht mehr, ob es alles nur eine Lüge war 😦
theimprobableone 23. Mai

Kumpel, bitte, das war es wirklich nicht. Alles ok bei Dir?
John Watson 23. Mai

Bist Du da?
John Watson 24. Mai

Bin ich
theimprobableone 24. Mai

Du musst wissen, dass es echt war. Was Du getan hast. Sherlock. Er war echt. An was Du geglaubt hast. Es war echt.
John Watson 24. Mai

Hi, theimprobableone. Ich habe Dir eine private Nachricht gesandt. Kannst Du mich wissen lassen, ob Du sie erhalten hast?
E Thompson 25. Mai

John, er hat nicht geantwortet. Hast Du mit ihm gesprochen?
E Thompson 26. Mai

Nein. Ich habe nichts gehört.
John Watson 26. Mai

Ich rufe Dich an.
E Thompson 26. Mai

Dr. John H. Watsons Blogeinträge – ins Deutsche übersetzt, mit
freundlicher Genehmigung der BBC und des Autors, Joe Lidster.

Originalartikel DEATH BY TWITTER