Synchron – das Interview, 1

Sebastian SchulzEin Interview mit John Watsons Synchronsprecher, Sebastian Schulz

Wie wird man Synchronsprecher?
Ich habe als Kind im Alter von 9 Jahren angefangen und bin dann reingewachsen, also learning by doing.
Wenn man als Erwachsener anfangen will, sollte man eine Schauspielausbildung, Spracherziehung oder Gesangsausbildung haben, sonst wird es schwer und natürlich Talent 😉

Bist du selbst Fan der Serie? Oder schaust du sie dir im Ganzen gar nicht an, weil du schon zu viel Zeit mit den John‐Watson‐Szenen im Tonstudio verbracht hast?
Ich seh sie mir meistens vorher an, um zu sehen was mich erwartet und um mich vorzubereiten. Manchmal schaffe ich es aber auch nicht und finde es ganz schön, mich im Atelier überraschen zu lassen. Aber die fertige deutsche Fassung gucke ich mir auf jeden Fall an. Also, ein kleiner Fan bin ich schon.

Wenn du die Serie schaust, was ist für dich das Beste an »Sherlock«? Welche ist deine Lieblingsfolge?
Eine Lieblingsfolge habe ich eigentlich nicht. Es ist eigentlich das Gesamtpaket, der Cast, die Musik, die Schnitte, einfach gelungen.

Hast du selbst einen Lieblingsschauspieler? Und vielleicht einen Synchronsprecher(‐Kollegen), den du bewunderst?
Ich habe eigentlich keinen Lieblingsschauspieler. Es gibt viele Kollegen von denen man etwas lernen kann und die einen immer wieder beeindrucken. Ältere wie Junge, aber eher die Älteren 😉

Du synchronisierst sehr verschiedene Schauspielertypen, wie bereitet man sich da für die einzelnen Rollen vor (zum Beispiel bei Martin Freeman in »Sherlock«)?
Meistens ist dafür gar keine Zeit, bei größeren oder „wichtigeren“ Filmen sehen wir sie uns vorher an. Aber eigentlich erarbeiten wir die Rollen im Atelier.

Was ist einfacher zu synchronsieren: Schauspieler oder Animationen?
Kann ich gar nicht so pauschal sagen, kommt eher auf die Rolle an und nicht auf real oder animiert. Ist aber von Sprecher zu Sprecher unterschiedlich, wahrscheinlich.

Kann man allein von der Synchronarbeit leben?
Ja.

Kannst du dich mit John oder anderen Rollen, die du synchronisierst, identifizieren?
Ja, meistens wird man nach Typ besetzt, also es ist immer viel von mir in den Rollen, meistens.

Schaust du Filme lieber im Original oder wartest du auf die deutsche Fassung?
Ich warte auf die deutsche Fassung, aus Hörgewohnheit und mein Englisch ist nicht perfekt.

Als Synchronsprecher sind dir viele Kollegen bekannt. Wenn du Serien/Filme siehst, assoziierst du ihre Stimme mit der jeweiligen Hauptfigur, die sie verkörpern (z.B. Dr. House)?
Eigentlich versuche ich nicht darüber nachzudenken. Mir fällt es oft nur auf, wenn es besonders gut oder schlecht ist.

Wie läuft die Vorbereitung für eine Synchronisation ab. Versuchst du wie der Original Schauspieler zu klingen, was Betonung, Sprachgeschwindigkeit etc. angeht?
Wir halten uns schon sehr ans Original. Was die Geschwindigkeit angeht ja, damit es synchron aussieht. Betonung, was den Sinn angeht schon, aber da hat jede Sprache ihre eigene Sprachmelodie.

Hast du eine Lieblingsrolle? Wächst dir eine Rolle manchmal ans Herz, sodass du dir weitere Staffeln wünscht?
Auf jeden Fall, Turk in »Scrubs« war so eine Rolle. John wird wohl eine 😉

John Watson hatte jetzt schon ein paar dramatische, emotionale Szenen. Von Schauspielern hört man manchmal, dass sie nach solchen Szenen oft geschafft sind. Ist das als Synchronsprecher auch so?
Je besser das Klima im Atelier ist, desto besser gelingt es einem sich emotional auf solche Szenen einzulassen und desto echter wirken sie. Dann nimmt uns das schon mit, aber meistens geht es danach reibungslos mit der nächsten Szene weiter, egal welcher Art.

Wirst du oft an deiner Stimme erkannt und wenn ja, durch welche Rolle am häufigsten?
Eigentlich nicht so oft, wenn dann meistens von Kindern durch diverse Zeichentrickserien. Ab und zu mal durch »Big Bang« und »Scrubs«.

Wenn du einen Schauspieler synchronisierst, und ihn dann nachher mit einer anderen Stimme in anderen Serien/Filmen sehen, ist es für dich dann ein ungewohntes oder seltsames Gefühl?
Naja jein, das liegt ja nicht in unserer Hand, aber den Hobbit hätte ich schon gerne gesprochen 😉

Eigentlich für Deinen Kollegen Tommy Morgenstern, aber vielleicht weißt Du’s…
Benedict Cumberbatch sagte schon ein paar Mal, dass die schnellen Deduktionen ihm einiges abverlangen, geht es seinem Synchronsprecher ebenso?

Kann ich beantworten 😉
Ja, ist teilweise ganz schön hart, aber macht auch Spaß. Nach ein paar Stunden hat man Fusseln im Mund und kann kaum noch die Zunge bewegen.

Zum zweiten Teil des Interviews… Rein technisch