Gespräch mit Sherlock Produzentin Sue Vertue

Übersetzung des Artikels Producer Sue Vertue Talks SHERLOCK, Her Reaction to Hearing Season 3′s Story Ideas, Fan Reactions, Casting Decisions, Shooting on Location von Christina Radish, 4. Februar 2014. Übersetzerin: Yvonne Maier

In Sherlock, der zeitgenössischen Wiederauflage des Arthur Conan Doyle Klassikers – geschrieben und entwickelt von Steven Moffat und Mark Gatiss – bekämpfen Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. Watson (Martin Freeman) Feinde, lösen Kriminalfälle und versuchen herauszufinden, wie sie dabei auch noch ihre Freundschaft aufrecht erhalten können. Nachdem Sherlock in Staffel 2 die Konfrontation mit Moriarty (Andrew Scott) haarscharf überlebte, musste Watson nun nicht nur seine Eheschließung mit Mary (Amanda Abbington) überleben, sondern auch, die Auswirkungen ihrer Geheimnisse auf die gemeinsame Zukunft. Und selbst wenn die Fans wahrscheinlich wieder einige Jahre warten müssen, bis sie erfahren, wohin die Geschichte geht, bin ich mir sicher, dass ich es kaum erwarten kann, herauszufinden, welche Klippen und Wendungen den Autoren noch einfallen werden.

In diesem exklusiven Interview mit Collider erzählt Sue Vertue davon, wann ihr Ehemann, Steven Moffat, ihr seine Ideen vorschlägt, was ihre Reaktion war, als sie die Ideen für die dritte Staffel gehört hat, was die Reaktion der Fans war, als herauskam, dass Sherlock eine Freundin hat, wann sie wusste, wie Sherlock überlebt hat, wie Lars Mikkelsen gecastet worden ist, wie es dazu kam, dass ihr Sohn den jungen Sherlock spielt, wie schwierig mittlerweile Außendrehs sind und warum diese Serie am besten funktioniert, wenn sie in 90-minütigen Episoden daherkommt. Achtung – Spoiler.

Was für eine Art Autor ist dein Mann, Steven Moffat? Jemand, der Dinge an dir testet, wenn er arbeitet?
Bei Sherlock ist es sehr speziell. Steven und Mark (Gatiss) treffen sich sehr häufig und sprechen über die nächste Staffel. Na ja, also über die nächsten zwei sogar, sagen sie. Und wenn sie so weit sind, es zu pitchen, dann pitchen sie es vor mir. Ich lese nicht so viele Sherlock Holmes Geschichten, wie die beiden, sie können sie in und auswendig. Ich kenne sie überhaupt nicht gut. Ich lese die Teile, die ich lesen muss. Aber der Pitch muss für mich als Zuschauer funktionieren, nicht als Sherlock Holmes Fan. Wenn Steven dann wirklich am Schreiben ist, dann gibt er mir immer wieder ein paar Seiten zum Lesen. Dann sagt er „Ich schicke dir bis heute Abend 20 Seiten.“

Ist es gut, etwas darüber zu wissen, wohin die Geschichte sich entwickelt?
Ja. Manchmal sprechen sie mit mir und ich sage dann „Oh, ich glaube nicht, dass ihr das tun könnt.“ Aber die Diskussion läuft ziemlich offen ab.

Wann erzählten sie dir von den Ideen für die 3. Staffel und wie fiel deine Reaktion aus? Was dachtest du?
Uns allen war klar, dass wir mit Mary Morstan behutsam umgehen, sie auf genau die richtige Art und Weise erführen müssen, damit sie nicht die Frau zwischen den beiden wird. Ich finde, das ist ihnen perfekt gelungen. Sie ist eine tolle Ergänzung. Sie steht ihrem Spaß nicht im Wege. Das sieht man auch bei der Hochzeit, wenn sie beide aus der Situation rettet. Wir erinnerten uns an Serien, in denen man die nervige Freundin sieht, das wollten wir nicht haben. Wir waren ganz schön nervös, aber ich denke es funktioniert, sobald man sie sieht. Das war die Hauptsache. Sherlock mag sie und sie mag Sherlock.

Wie fandest du die Reaktionen der Fans zu Sherlocks Freundin?
Das war sehr interessant. Als die Sendung in UK anlief, waren wir gerade in der Schweiz, wir haben das alles über Twitter verfolgt. Es war komisch, den Twitter Feed zu lesen, die Leute wurden immer verärgerter und sagten Dinge wie: „Das ist doch Unsinn!“ Und dann sagten die Leute „Oh – ich entschuldige mich für meinen vorherigen Tweet.“ Genauso war das in der 3. Folge. Die Leute schrieben „Was?!?!? Er hat eine Freundin? Was fällt dem ein?“ Und als er ihr dann den Korb gegeben hatte, schrieben sie „Danke dafür“, „Was für eine Erleichterung.“ Aber – Sherlock und Janine mögen sich eigentlich gegenseitig.

Wusstest du zum Zeitpunkt von Sherlock Holmes‘ angeblichen Tod bereits wie sie das lösen würden?
Ja, das wussten wir. Sie wussten genau, was sie schreiben würden. Es sollte eigentlich ein Sturz in zwei Abschnitten sein, wo eine Person nur bis zur Hälfte fällt und eine andere dann den Rest. Das war der ursprüngliche Plan. Und als der Regisseur die letzte Episode der zweiten Staffel drehte, sagte er: „Wegen dieses Gebäudes für die Krankenwagen, brauchen wir das in der Mitte gar nicht. Man kann es ja nicht sehen.“ Und man konnte es tatsächlich nicht sehen. Also hat das mit dem blauen Luftkissen hervorragend funktioniert. Es hatte genau die richtige Größe für dieses Gebäude.

sherlock-his-last-vow1Wie seid ihr darauf gekommen, Lars Mikkelsen als Magnussen zu casten?
Er ist toll, nicht wahr? Er ist ja Hannibals Bruder! Wir sahen ihn in der dänischen Version von »The Killing«. Eigentlich wollten wir eher einen Amerikaner und dann wurde sein Name vorgeschlagen. Er war zufällig in London für einen anderen Film, so traf ich mich mit ihm – das war mir wichtig, da ich ihn auch noch nie Englisch hatte sprechen hören. Ich kannte nur sein Dänisch, und hatte mich daher gefragt, wie gut sein Englisch ist. Und tatsächlich war es so gut, dass ich ihn sogar bat: „Kannst du das noch mit mehr Akzent sprechen?“ Er ist einfach fantastisch. Er hat kalte Augen, aber er ist ein wirklich netter Mensch. Wir haben also diesen schnellen Sherlock und diese sehr kühle, ruhige Person. Und Sherlock hasst ihn. Er war einfach beeindruckend. Es war sehr aufregend, diesen Blickwinkel mit rein zu bekommen.

Wie kam es, dass euer Sohn den jungen Sherlock spielte?
Der gute Junge, er hat niemandem davon erzählt. Er möchte gerne Schauspieler werden und er sieht Rollen, für die er sich nicht bewerben darf, zum Beispiel bei »Doctor Who«. Er sagte dann: „Darf ich mich darauf bewerben?“ Wir sagten: „Ja, aber du wirst das wahrscheinlich nicht kriegen. Wir entscheiden nicht das Casting.“ Und so ist er zum Casting gegangen. Der Regisseur hat einige Kinder gesehen. Ich sagte meinem Sohn, dass er auch die falsche Augenfarbe hat. Darauf er: „Mama! Jeder andere würde mich dabei unterstützen. Du hilfst mir überhaupt nicht.“ Wir sagten dem Regisseur: „Nimm ihn nicht, nur weil er unser Sohn ist.“ Aber ich finde, er schlug sich hervorragend. Und er trug farbige Kontaktlinsen.

Wie schwierig sind die Außendrehs mittlerweile? Müsst ihr vorsichtiger sein und die Fans austricksen?
Wenn wir Außendrehs haben, dann können wir Dinge nicht so gut verheimlichen. Ganz egal, wo wir sind, die Leute werden kommen. Man stellt diese Schilder auf, dass man dreht und ich ließ sie umbenennen, aber sie kamen trotzdem. Und so ist uns mittlerweile klar, dass sie einfach da sein werden. Wir dachten an einem Punkt: „Es wäre echt super, wenn wir das Hochzeitskleid nicht zeigen würden.“ Und dann: „Ach, wir können es auch einfach zeigen.“ „Der Sturz“ war etwas witziger, weil wir ja eh unterschiedliche Versionen gefilmt haben. Und wir haben noch ein paar extra Versionen von uns selbst dazugegeben. Eine war super, als Moriarty in Sherlocks Mantel aufgetreten ist und mit Mycroft geredet hat. Die Leute dachten „Warum machen die das? Was ist denn da los?“ Der Sturz war echt komisch, weil sie es einfach nicht durchschauen konnten. In einer Zeitung stand sogar: „Die Stunts sind so gefährlich, dass sie mit Dummy-Puppen arbeiten müssen.“ In London lassen wir die Fans mittlerweile einfach zu. Wir haben Absperrungen und Sicherheitsleute und die Fans sind toll. Wenn man sich anschaut, was auf Twitter geschrieben wird, wird klar, dass sie alle kommen – manche fliegen sogar extra her oder nehmen den Zug. Und dann verbringen sie einen schönen Tag bei uns. In der Baker Street hatten wir fast 1.000 Zuschauer und sie waren uns gegenüber sehr respektvoll.

War schon immer klar, dass diese Serie in drei 90-minütigen Episoden umgesetzt wird, oder habt ihr je erwogen, dass es mehr Episoden à 60 min sein könnten?
Anfänglich sollten es 60-minütige Folgen werden. Der Pilotfilm war 60 min lang. Aber die BBC sagte, dass wir es 90 min lang machen sollten, dann könne man es eher als TV-Ereignis verkaufen. Daher drehten wir dann neu, und der Pilot wurde 90 Minuten lang. Wir sind dabei geblieben. Vielleicht bleiben es nicht immer drei pro Staffel, aber es wird bei dieser Länge bleiben. Es ist eine gute Länge. Wenn es 60 min sind, dann denken manche, sie können problemlos ein oder zwei Folgen verpassen. Wenn es aber 90 min sind, dann bleiben die Zuschauer dabei.

sherlock-his-last-vow2

Ein Gedanke zu “Gespräch mit Sherlock Produzentin Sue Vertue

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.