Sherlock katapultierte mich ins Rampenlicht

Übersetzung des Artikels Benedict Cumberbatch: Sherlock is „exposing“ von Mark Jefferies, 14. Februar 2014. Übersetzerin: Yvonne Maier

Benedict Cumberbatch: Sherlock katapultierte mich ins Rampenlicht

Der Sherlock Star ist ein großartiger, britischer Exportschlager, der Charme versprüht und gelegentlich seine verletzliche Seite zeigt, sagt Mark Jefferies.

Obwohl es draußen vor dem New York Standard Hotel gerade mal Null Grad hatte, warteten rund 30 Mädchen am Donnerstag Abend auf dem Gehweg, zwischen Schnee und Matsch.
Es entsprach nicht ganz dem Rummel, der Benedict Cumberbatch sonst im Vereinigten Königreich erwartet, wenn er auf dem roten Teppich zu sehen ist. Aber später erfuhr ich, dass einige dieser Mädchen hier draußen die Nacht verbracht hatten, nur um einen Blick auf ihn werfen zu können. Um euch zu verdeutlichen wie verrückt das ist, während Mittwoch Nacht hatte es gefroren und die meiste Zeit geschneit.

Auf jeden Fall ist es ein sicheres Zeichen dafür, dass Benedict eine immer größere Anziehungskraft innehat, ganz egal wohin er geht und meiner Meinung nach, werden die Menschenmengen nur noch größer werden.

Er flog extra für eine BAFTA-Veranstaltung nach New York – wo er eine Stunde lang Hof hielt und bescheiden über seine Karriere berichtete. Hätten seine draußen auf der Straße wartenden Fans es hinein geschafft, wären sie vermutlich ein wenig enttäuscht gewesen, keine neuen Sherlock Handlungsstränge oder Pläne zu erfahren.
Aber Benedict nahm die über 70 geladenen Gäste mit seinem natürlichen Charme und einem Gespräch darüber, wie er so ein hochgelobter und gefragter Schauspieler wurde, für sich ein.

Er begann bescheiden und sagte, er habe viel Glück gehabt, einer der Schauspieler mit Arbeit zu sein und dass er versuche, seine Rollen so unterschiedlich wie möglich zu halten. Ein Schlüsselmoment in seinem Leben scheint DIE Bühnenproduktion von »After the Dance« 2010 in London gewesen zu sein.
Er gab zu, dass die Produktion an den Broadway gehen sollte, aber dass er diese Gelegenheit in Rücksprache mit den anderen Ensemblemitgliedern fallen ließ, um andere Dinge auszuprobieren. „Ich bin ein Wagnis eingegangen und es hat sich gelohnt“, erinnerte er sich.

Das ist untertrieben.

Seitdem hat Benedict in einigen großen Hollywood-Produktionen mitgespielt: »Star Trek«, »Der Hobbit«, »12 Years A Slave« und die Fernsehserie »Sherlock« wurde ein Welterfolg. Wäre er in dieser Zeit in eine Broadway Produktion eingebunden gewesen, ist es fraglich, ob er die Möglichkeit gehabt hätte, solche Gelegenheiten wahrzunehmen. Er ist heute einer der größten Exportschlager Großbritanniens in der Welt des Schauspiels – und zurecht extrem gefragt.

Während ich ihm zuhörte, fiel mir auch auf, wieviel Ähnlichkeiten er mit dem früheren »Doctor Who« Darsteller Matt Smith aufweist. Beide sind sehr intelligent, können die Aufmerksamkeit eines Publikums fesseln und sind Schauspieler mit einem breiten Repertoire. Und keiner von beiden ist eine klassische Hollywood-Schönheit – aber die Frauen lieben sie.
„Ich habe einen langen Hals und ein langes Gesicht“, gab Benedict lachend zu, bevor er erklärte, dass ihn dies für historische Rollen prädestiniere.

Beide Männer scheinen auch ein bisschen mit dem Ruhm zu kämpfen, den ihre Rollen ihnen einbrachten. Als Benedict die Rolle des Sherlock angeboten bekam, war er im Begriff auf sein Motorrad zu steigen – seine erste Reaktion sei fast so etwas wie Angst gewesen.
„Ich dachte mir, das könnte mich wirklich ins Rampenlicht setzen, also auf eine gute Art und Weise, aber es ist eine Kultfigur, da wird sehr darauf geachtet werden. Also atmete ich erst einmal tief durch, denn es gab zu dieser Zeit noch ein paar andere Angebote, und das hier war ein sehr großer Schritt, aber es war tolles Material, daher drehten wir den Pilotfilm und die BBC fand’s toll.“

Zum Glück. Diese Sendung hat sich zu einer der beliebtesten BBC Serien der vergangenen Jahrzehnte entwickelt.

Er sagte, er stehe mittlerweile ganz schön im Scheinwerferlicht, könne aber immer noch die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, doch es sei ihm bewusster, dass jedes Smartphone eine mögliche Fallgrube sein könne. Er mochte die Arbeit an Sherlock am Beginn, wo er sich auch inhaltlich einbringen durfte, um gemeinsam mit Mark Gatiss und Steven Moffat ihren Sherlock zu kreieren.
Leider gab es keinen Hinweis darauf, wann die Arbeit an Sherlock wieder aufgenommen werden wird, aber interessanterweise meinte er, dass »After The Dance« „doch noch an den Broadway kommen, oder in einen Film umgearbeitet werden könnte“ womit er andeutete, dass es noch keine abgeschlossene Sache sei.

Egal, welche Rollen er als nächste annimmt, gründliche Recherche scheint der Schlüssel zu sein, vor allem auch, um den überraschenden Mangel an Selbstvertrauen auszugleichen.

Kleine Anzeichen von Verletzlichkeit, die er sonst hinter seinem Charme verbirgt, zeigten sich, als er sagte: „Recherche ist eine Sicherheitspolster. Sehr wenig davon wird später auf der Leinwand sichtbar. Es hilft das, was man macht besser im Griff zu haben und gibt einem ein wenig mehr Mut, jemand zu sein, der so weit entfernt von einem selbst ist.“

Benedict Cumberbatch sprach bei der neuen BAFTA-Veranstaltungsreihe „In Conversation“, die in den USA und London weitergeführt werden wird. Mark Jefferies ist Showbiz Redakteur des Daily Mirror und flog mit Virgin Atlantic nach New York.

Benedict Cumberbatch: In Conversation (Full Video) from BAFTA New York on Vimeo.