2. Juli


2. Juli

Der Hohle Klient

Jack Griffin wusste wie man einen Auftritt hinlegte. Wir waren zu einer Anprobe der Hochzeitsanzüge gewesen und als wir zurück kamen, war er da. Beziehungsweise war er nicht da.

Denn dort, in meinem Sessel sitzend, war Jack Griffins Anzug. Nur sein Anzug. Ohne ihn. Er hatte uns einige Tage zuvor per Email um unsere Hilfe gebeten. Er war Student an der Goldsmiths University und bat uns etwas zu untersuchen, das er als seine „Unsichtbarkeit“ bezeichnete. Es hatte vor einigen Wochen begonnen, als sein Mitbewohner, Alan Flanagan, mit ihm zusammenstieß und behauptete Jack nicht gesehen zu haben. Sie beide taten es ab, aber dann passierte es erneut, als Alan sich in einen Sessel setzen wollte, in dem Jack bereits saß. Und es passierte wieder und wieder.

Er hatte uns angekündigt, dass er uns an dem Tag aufsuchen wolle, aber wir waren spät dran, da Sherlock bei der Anprobe auf das richtige Schuhwerk für uns beharren musste. Und als wir zurückkamen, trafen wir seinen Anzug an.

Während wir den Anzug anstarrten, formulierte Sherlock eine Anzahl von möglichen Lösungen. Alan hatte Jack an der Nase herumgeführt, bis dieser tatsächlich glaubte unsichtbar zu sein. Jack hatte sich mit einer komplexen Anordnung aus Spiegeln umgeben, so dass er unsichtbar schien. Oder er war von Alan mit Spiegeln umgeben worden. Kurz sann er über Farbe, die einen unsichtbar werden lässt nach. Vielleicht waren Jack und Alan hochqualifizierte Wissenschaftler (was sie nicht waren, sie studierten Medienwissenschaft). Wir waren bei unserer Rückkehr betäubt und zu einem exakten Nachbau der 221B Baker Street gebracht worden, in dem eine Kamera den Anzug in den Sessel projezierte. Ich unterbrach ihn dann doch an diesem Punkt und fragte ihn, wer das getan haben sollte. Er zuckte mit den Achseln und schlug Ninjas vor. Dann fuhr er fort… der Anzug war ein Hologramm, Jack hatte nie existiert, Jack war im gleichen Material wie der Sessel gekleidet…

An diesem Punkt unterbrach ich ihn erneut und wies daraufhin, dass sich Jack und Alan als Studenten vielleicht einfach nur einen Jux mit uns erlaubten. Und dass es sich tatsächlich nur um einen leeren Anzug handelte. Sherlock akzeptierte widerwillig, dass ich recht haben könnte. Und als wir den Sessel näher betrachteten, handelte es sich in der Tat um einen leeren Anzug. Er war enttäuscht. Ich denke, er hätte die Idee eines sorgfältig durchkonstruierten Plots bevorzugt, in dem Ninjas und komplexe Anordnungen von Spiegeln eine Rolle spielten.

Ich wette, darüber spricht er nicht auf der Hochzeitsfeier.

11 Kommentare

Tut mir leid.
Alan Flanagan 2. Juli

braucht es nicht! es war schön, ihm einmal überlegen zu sein!
John Watson 2. Juli

DAS IST DAS LUSTIGSTE, WAS ICH JE GELESEN HABE!!! MEGALOL!!!
Dame Latif 2. Juli

Eine absolute Zeitverschwendung, für jeden.
theimprobableone 2. Juli

Aber recht witzig, dass Sherlock darauf hereinfiel.
Donna Staveley 2. Juli

Lächerlich.
Sherlock Holmes 2. Juli

MEINE JUNGS SIND WIEDER DA!
Mrs Hudson 2. Juli

Hey Kumpel, wann ist die Hochzeit?
Mike Stamford 2. Juli

Warum Emailen, wenn wir Einladungen versenden? Lächerlich.
Sherlock Holmes 2. Juli

Du bist lächerlich.
John Watson 2. Juli

Touché.
Sherlock Holmes 2. Juli

Dr. John H. Watsons Blogeinträge – ins Deutsche übersetzt, mit
freundlicher Genehmigung der BBC und des Autors, Joe Lidster.

Originalartikel THE HOLLOW CLIENT