Holmes Häppchenweise

Eine Buchbesprechung von Maike Duddek.

Holmes Häppchenweise – Der Detektiv als Mangaheld

Sherlock Holmes Adaptionen sprießen seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden und bedienen fast jedes Medium. Ob skurril, modernisiert oder originalgetreu, Holmes ist allgegenwärtig. Zeit, unter die Lupe zu nehmen, was passiert, wenn der viktorianische Detektiv auf Stil und Narration des Manga trifft.
(Einblicke ins Buch sind unterhalb der Besprechung zu finden.)

1. Die sechs Napoleons
Der Zufall führt den Meisterdetektiv Sherlock Holmes und den im Kampf verwundeten Militärarzt zusammen. Eine tiefe Freundschaft und berufliche Partnerschaft verbindet die beiden auf der Stelle, als sie die Baker Street 221B beziehen. Der erste Fall bleibt nicht lange auf sich warten: Inspektor Lestrade benötigt Hilfe bei einem Fall, der kurios erscheint. Mehrere wertlos erscheinende Büsten von Napoleon werden von einem Unbekannten zerschmettert. Doch schnell wird klar, dass hinter dem Rätsel mehr steckt als ein Napoleon-Hasser…

2. Das getupfte Band
Helen Stoner kommt in Todesangst in die Baker Street. Erst stirbt ihre Schwester unter mysteriösen Umständen, jetzt fühlt sie sich selbst bedroht. Was ist das „getupfte Band“, von dem ihre Schwester Sekunden vor ihrem ungeklärten Tod sprach? Eine Warnung? Holmes und Watson reisen auf ihr Anwesen, um die junge Frau zu beschützen…

3. Die Liga der Rothaarigen
Der Pfandleiher Jabez Wilson kommt mit einer merkwürdigen Begebenheit zu Holmes. Hatte er vor Kurzem aufgrund seiner leuchtenden Haarfarbe einen exzellent bezahlten Job bei der geheimnisvollen „Liga der Rothaarigen“ ergattert, scheint diese plötzlich nicht mehr zu existieren. Holmes wittert, dass eine ganz große Sache im Gange ist…

4. Das letzte Problem
(Dieses Kapitel vereint eigentlich zwei von Conan Doyles Kurzgeschichten, nämlich „Der Detektiv auf dem Sterbebett “ und „Das letzte Problem“.) Holmes liegt im Sterben! Anscheinend hat er sich bei einer tödlichen Tropenkrankheit angesteckt. Alles scheint im Zusammenhang zu Moriarty zu stehen…
Bald bleibt Holmes keine andere Wahl mehr, als seinen Erzfeind an den Reichenbachfällen zu konfrontieren – mit tödlichem Ausgang…

5. Im leeren Haus
Drei Jahre später trauert Watson noch immer um seinen Freund Holmes. Denn ein London ohne den Detektiv ist einfach nicht dasselbe. Dabei bräuchte er ihn jetzt umso mehr: Der adlige Ronald Adair ist ermordet worden, doch das Zimmer, in dem er gefunden wurde, war von innen verriegelt. Und wie aus dem nichts ist Holmes wieder da…

In dem Band „Fünf Fälle für Sherlock Holmes“ versammelt Komubusi die beliebten Kurzgeschichten Conan Doyles in Form des japanischen Comics. Und schnell fällt auf: die inhaltliche Umsetzung gelingt erstaunlich werkgetreu, wenn auch etwas verdichtet und gekürzt. Jedes Kapitel stellt einen in sich weitestgehend abgeschlossenen Fall dar. Doch nicht ganz: Die fünf Kapitel werden dadurch miteinander verbunden, dass Professor Moriarty seine Finger überall im Spiel hat und sein kriminelles Netz um Holmes zusammenzieht. Diese kleine Abweichung vom Kanon tut dem Manga-Band jedoch gut, da sie die Fälle narrativ miteinander verknüpft und einen harmonischen Bogen spannt.

Die eigentliche Stärke des Mangas liegt ganz klar in den Bildern. Komusubi haucht den Charakteren in ihrer reduzierten und treffsicheren zeichnerischen Darstellung neues Leben ein und vermag es, die Persönlichkeiten zu unterstreichen. Holmes wird ein zynischer eleganter Herr, der mit einem kalkulierenden Blick alles durchschauen kann. Watson erscheint jung und niedlich, was durch seine überspitzte Bewunderung für Holmes noch unterstützt wird. Lestrade ist ein kauziger kleiner Mann, der für Situationskomik sorgt.

Darüber hinaus wird die Komik, die Conan Doyles Geschichten eingeschrieben ist, bildlich verstärkt und lockert die mysteriösen Fälle auf. Herrlich, wie etwa Doktor Roylott in die Baker Street poltert, oder wie ein verpeilter Watson den Deduktionen nicht folgen kann. Abgewechselt wird das mit actiongeladenen Szenen und rasanten Handlungen, die auf den Klimax an den Reichenbachfällen zusteuern.

Insgesamt ist Holmes als Manga erstaunlich gut gelungen. Wer als Manga-Fan in die Welt Conan Doyles hineinschnuppern möchte, bekommt einen akkuraten Einblick. Und wer schon eingefleischter Sherlockian ist, kann sich die ein oder andere Stunde mit dem Manga vertreiben.

Fazit: Eine rasante, überspitzte und witzige Adaption abseits von „normalen“ Büchern und Film. Der kleine Happen Holmes für Zwischendurch!

Fünf Fälle für Sherlock Holmes. Nach Arthur Conan Doyles Originalgeschichten.
AutorInnen: Haruka Komusubi, Arthur Conan Doyle
Übersetzer: Kenichi Kusano
Erschienen bei Tokyopop, 2013.
Geeignet für Leser ab 13 Jahren.

Tipp: Das erste Kapitel steht auf der Tokyopop Website als Leseprobe zur Verfügung.

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