Four Lions

Eine Besprechung von Michaela Kieckheim.

Vier islamische Freunde, davon ein konvertierter Engländer, wollen aus verschiedenen Gründen etwas zum Heiligen Krieg beitragen. Da sie sehr unterschiedliche Ansichten darüber haben, was sie tun sollen und auch wie, kommt es zu Diskussionen und den unterschiedlichsten und absurdesten Ideen. Aber die Vier raufen sich stets wieder zusammen, denn es geht ja um die gemeinsame Sache.
Auch ihre unterschiedlichen Charaktere stellen dem Vorhaben einige Hindernisse in den Weg und es kommt immer wieder zu unvorhersehbare Pannen. Schließlich einigen sie sich darauf sich während des London Marathon als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen.

Ernstes Thema in schwarzen Humor verpackt – es funktioniert!

Drehbauchautor und Regisseur Chris Morris greift ein ernstes Thema als satirische Komödie auf. Das gelingt ihm sehr gut, so wie es nur Engländer können. Einige Szene erinnern an Monty Python, jedoch ohne die bekannte Komikergruppe imitieren zu wollen.

Morris zeigt die verschiedenen Aspekte der „Terrorgefahr durch Islamisten“. Männer, die sich dem westlichen Leben angepasst haben und somit durch jedes Raster fallen. Sogar die Ehefrau einer der Männer weiß vom Plan ihres Mannes, doch wird davon gesprochen als ginge er zu einem Fußballspiel. Der Bruder des Hauptprotagonisten ist ein gläubiger Moslem, mit traditioneller Lebensweise. Aber sein Haus wird gestürmt und er und seine ebenfalls traditionsbewussten Freunde verhaftet. Damit die englische Polizei den Bruder verhören kann, konstruiert sie ein absurdes Konstrukt der Rechtslage – ein witziger Seitenhieb auf die Sicherheitsbehörden und Politik. Einige Szenen des Films beginnen mit dem Blick durch eine Überwachungskamera. Dies soll zeigen, dass trotz der hohen Anzahl von Kameras in London, ein Verbrechen nicht sicher verhindert werden kann.

deutsches und britisches Cover

deutsches und britisches Cover

Four Lions wurde überwiegend mit der Handkamera gedreht. Das bringt die vier Freunde, die keine kalten Attentäter sind, sondern ein Gewissen haben, widersprüchlich sind und einfach nur „etwas“ tun wollen, dem Zuschauer nah. Schlussendlich sind die Vier sich nicht sicher, ob das wirklich richtig ist, was sie vorhaben. Dennoch will der Film weder Verständnis für Attentäter erzeugen, noch die Thematik verharmlosen.
Es ist einfach eine witzige Komödie mit dem typisch englischen, schwarzen Humor und empfiehlt sich den Film im Original zu sehen, um den vollständigen Witz erfassen zu können.

Benedict Cumberbatch
In einer kleinen Rolle ist Benedict zu sehen, kaum wiederzuerkennen mit verkehrt herum aufgesetztem Baseballcap und Bart. Er spielt einen Unterhändler der Polizei, der mit einem der Attentäter als vermeintlichem Geiselnehmer spricht. Natürlich kommt es auch hier zu Irrtümern und Verwirrung.

Erfolge
Four Lions wurde das erste Mal 2010 auf dem Sundance Film Festivale aufgeführt und war für den World Cinema Narrative Prize nominiert. Ebenfalls 2010 gewann er den Fresh-Blood-Publikumspreis des deutschen Fantasy Filmfests. 2011 wurde er für zwei BAFTA Abwarts nominiert und gewann in der Kategorie Outstanding Debut by a British Writer, Director or Producer.

Four Lions
Drehbuch & Regie: Chris Morris
Darsteller: Kayvan Novak, Riz Ahmed, Nigel Lindsay, Preeya Kalidas
UK, 2010; dt. Verleih: Capelight (Alive AG), 2011; FSK: 16 (in UK ab 15); 102 Minuten

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