Sherlock – Hinter den Kulissen der Erfolgsserie

Eine Besprechung von Maike Duddek, 22.09.2015.

Hinter den Kulissen von Sherlock: Ein multidimensionaler Audiokommentar

858-2_cover_sherlock_2dMit »Sherlock – hinter den Kulissen der Erfolgsserie« ist bei Knesebeck ein bildgewaltiges Begleitbuch zur BBC-Serie Sherlock auf Deutsch erschienen. Wie in einem riesigen Scrapbook versammeln sich Hintergrundinformationen, Insiderwissen und nie gesehene Bilder, die den kreativen Entstehungsprozess der Serie greifbar machen.

Schon wenn man das Buch aufschlägt, kommt einem die unverwechselbare Tapete aus 221B Baker Street entgegen. Sofort wird man eingesaugt und findet sich nicht hinter, sondern mitten in den Kulissen wieder. Noch bevor es mit Sherlock losgeht, geht Steve Tribe Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes und allen anderen nennenswerten filmischen Reinkarnationen des Detektivs auf den Grund.
Was trieb Steven Moffat und Mark Gatiss an, Sherlock Holmes zu modernisieren? Wie zollen sie ihm Respekt, wo spielen sie mit bekannten Motiven, wo nehmen sie sich Freiheiten heraus?
Die einzelnen Episoden von der Pilotfolge bis zu His Last Vow (Sein Letzter Schwur) werden nacheinander vorgestellt, wobei jedes Kapitel unter einem anderem Schwerpunkt präsentiert wird. Seien es Schnitt, Special Effects oder Kostüme – nach und nach wird immer deutlicher, was für Arbeit hinter dem Look der Serie steckt. Dabei ist es schön, dass nicht nur die Produzenten und Schauspieler zu Wort kommen, sondern auch die, die im Abspann schnell überlesen werden: Wie wurde die einzigartige Verbindung von Text und Bild bei SMS-Nachrichten und Deduktionen erfunden? Wer sorgt für die Ausstattung bis ins kleinste Detail? Wieso ist nicht alles London, was wie London aussehen muss? Die Verantwortlichen verraten es – und machen deutlich, wie viele Zahnräder ineinander greifen müssen. Ein Mechanismus, der noch viel komplexer anmutet als Sherlocks Gedächtnispalast.

Doch auch neben Steve Tribes Haupttext gibt es Dinge zu sehen, die den „normalen“ Konsum der Serie erweitern. Was auf der Leinwand nur Sekundenbruchteile zu sehen war, kann man nun so lange unter die Lupe nehmen, wie man mag. So etwa der „Verschollene Vermeer“, die Zeitungsschlagzeilen oder Bilder aus John und Marys Hochzeitsalbum. Was für die Glaubwürdigkeit der Serie extra entworfen und hergestellt wurde, wird hier noch einmal extra herausgestellt. Dazu kommt zum Teil unerwartetes Material, das Sherlock als Endprodukt von Tausenden Entscheidungen und viel kreativem Chaos greifbar macht: private Korrespondenzen der Produzenten reihen sich ein neben Setfotos, Promofotos, Storyboards…

Gerade die entfallenen Szenen, die als Auszüge aus den Drehbüchern vorgestellt werden, bieten einen absoluten Mehrwert. Wer hätte gedacht, dass Sherlock und Moriarty sich auf dem Dach von St. Bart’s noch viel mehr zu sagen hatten? Oder dass Sherlock dachte, Johns Mutter könnte sein Best Man werden? Und auch Vergleiche zwischen dem modernen Sherlock und der literarischen Vorlage nehmen einen großen Raum im Buch ein. Die Macher haben oft Anspielungen an Doyles Geschichten ein- und umgebaut, die auf den ersten Blick gar nicht auffallen. All das ist Bonusmaterial, das man sich wünscht, beim Anhören der Audiokommentare sehen zu können.

Wie schon im Impressum steht – es ist ein Begleitbuch zur weltbekannten Serie Sherlock. Doch braucht man das Buch wirklich? Um die Serie an sich genießen zu können, wohl nicht. Aber wer verstehen will, was für ein Puzzle aus harter Arbeit die Serie ausmacht, und wie eine Serie überhaupt gemacht wird, findet hier einen guten Startpunkt. Und für Fans, denen die Audiokommentare auf den DVDs einfach zu wenig sind, lohnt sich »Hinter den Kulissen der Erfolgsserie« allemal. Nicht zuletzt macht es einfach Spaß, die Anekdoten zu lesen, die Bilder anzuschauen und zu wissen, was für Arbeit in der vierten Staffel stecken wird.

Sherlock: Hinter den Kulissen der Erfolgsserie
Autor: Steve Tribe, Vorwort: Mark Gatiss
Übersetzerin: Steffi Arnold
Erschienen bei Knesebeck, 2015.
Ladenpreis: €29,95 [D], 320 Seiten mit 400 farbigen Abbildungen

Vielen Dank an den Knesebeck Verlag für die freundliche Genehmigung der Verwendung der Fotos hierunter!

© Hartswood Films/Arwel Wyn Jones/Knesebeck Verlag

© Hartswood Films/Arwel Wyn Jones/Knesebeck Verlag


© BBC/Knesebeck Verlag

© BBC/Knesebeck Verlag


© Hartswood Films/Arwel Wyn Jones/Knesebeck Verlag

© Hartswood Films/Arwel Wyn Jones/Knesebeck Verlag

6 Gedanken zu “Sherlock – Hinter den Kulissen der Erfolgsserie

  1. Pingback: Hinter den Kulissen von Sherlock: Ein multidimensionaler Audiokommentar | Bücherstadt Kurier

  2. Hab mir den Schinken auf Englisch gekauft und war dementsprechend verärgert als es dann doch eine deutsche Übersetzung gab. Aber gut. Was soll’s? Klagen hilft ja nicht. Ich habe es noch nicht ganz durch, aber meine Lieblingsstelle ist bisher auf Seite 40:

    „Benedict’s mother said he couldn’t be Sherlock because he had the wrong nose“, laughs Sue Vertue.

    Gibt es noch andere Stellen, auf die ich mich freuen kann?

    • Jede Menge! Ich gebe Deine Frage in die Runde, da mich die Antworten ebenfalls interessieren…
      welche Stellen gefielen denjenigen, die das Buch bereits lasen, am besten?

    • Hallo Franziska!
      Unbedingt! Bei der Stelle habe ich auch herzlich gelacht! Mütter sorgen schon für die besten Anekdoten 😉

      Meine Lieblingsstellen sind ja gar nicht mal der Text, sondern all die Bilder und Plakate, die für die Serie gemacht worden sind, aber nur ganz kurz zu sehen waren, also z.B. das Gemälde vom Blind Baker oder die Hunde von Baskerville – ich bin aber auch ein sehr visueller Mensch 😀

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